Ausschreibungen finden als Werbeagentur
679 öffentliche Auftraggeber haben in den vergangenen zwölf Monaten 1.298 Verfahren für Agenturleistungen veröffentlicht. Dieser Beitrag zeigt, wo sie erscheinen, mit welchen CPV-Codes Sie suchen und wie viel Zeit bis zur Frist bleibt.
Öffentliche Auftraggeber vergeben jedes Jahr Kampagnen, Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Employer Branding, Grafikdesign und Filmproduktion. Nach unserer Auswertung waren es zwischen dem 17. Oktober 2025 und dem 16. Oktober 2026 genau 1.298 Verfahren mit Agenturleistungen von 679 verschiedenen Auftraggebern, fast alle aus Deutschland. Reine Druckaufträge sind darin nicht mitgezählt. Wer diese Verfahren zuverlässig finden will, braucht drei Dinge: die richtigen Quellen, die richtigen Suchmerkmale und einen klaren Blick auf die Fristen.
Wo öffentliche Aufträge veröffentlicht werden
Wo eine Ausschreibung erscheint, hängt vom geschätzten Auftragswert ab. Erreicht er den EU-Schwellenwert, schreibt der Auftraggeber europaweit aus. Seit dem 1. Januar 2026 liegt dieser Wert für Liefer- und Dienstleistungsaufträge bei 216.000 Euro netto, für das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien bei 140.000 Euro (§ 106 Abs. 2 GWB). Für Sektorenauftraggeber wie Verkehrs- oder Versorgungsunternehmen gelten bei Aufträgen für ihre Sektorentätigkeit 432.000 Euro. Diese Bekanntmachungen veröffentlicht das Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (§ 40 VgV). Sie finden sie auf TED, der Ausschreibungsplattform der Europäischen Union.
Unterhalb der Schwellenwerte veröffentlichen Auftraggeber auf ihren eigenen Internetseiten oder auf Vergabeportalen von Bund, Ländern und Kommunen. Wo die Unterschwellenvergabeordnung gilt, müssen diese Bekanntmachungen zentral über die Suchfunktion von www.bund.de auffindbar sein (§ 28 Abs. 1 UVgO). Zusätzlich bündelt der Bekanntmachungsservice auf oeffentlichevergabe.de Bekanntmachungen von Bund, Ländern und Kommunen. Er gehört zum Datenservice Öffentlicher Einkauf beim Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern (§ 114 Abs. 3 GWB).
In unseren Daten waren von den Verfahren deutscher Auftraggeber, bei denen erkennbar war, ob national oder europaweit ausgeschrieben wurde, 570 nationale und 503 europaweite Ausschreibungen. Wer nur auf TED sucht, sieht also weniger als die Hälfte dieser Verfahren. Welche Regeln in den beiden Bereichen gelten, erklärt der Beitrag VgV oder UVgO: Welche Regeln für Agenturen gelten.
Mit welchen CPV-Codes Sie suchen
Europaweite Bekanntmachungen ordnen jeden Auftrag einem Code aus dem Gemeinsamen Vokabular für öffentliche Aufträge zu, kurz CPV. Mit diesen Codes lässt sich gezielt filtern. Neben dem Sammelcode 79000000, um den es weiter unten geht, kamen diese Hauptcodes in Agenturausschreibungen der vergangenen zwölf Monate am häufigsten vor, jeweils mit der amtlichen Bezeichnung:
- 79340000 Werbe- und Marketingdienstleistungen: 209 Verfahren
- 79416000 Öffentlichkeitsarbeit: 54 Verfahren
- 79822500 Dienstleistungen im Grafik-Design: 52 Verfahren
- 79342000 Marketing: 27 Verfahren
- 79341400 Werbekampagnen: 17 Verfahren
- 92100000 Dienstleistungen im Bereich Film und Videofilm: 14 Verfahren
- 79416200 Beratung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit: 14 Verfahren
- 79341000 Werbedienste: 12 Verfahren
- 79960000 Dienstleistungen des fotografischen Gewerbes und zugehörige Leistungen: 11 Verfahren
Auffällig ist der Sammelcode 79000000 „Dienstleistungen für Unternehmen: Recht, Marketing, Consulting, Einstellungen, Druck und Sicherheit“. Er stand bei 80 Agenturausschreibungen als Hauptcode. Wer nur die spezifischen Codes abonniert, verpasst diese Verfahren. Suchen Sie deshalb zusätzlich nach Begriffen aus der Leistung selbst, etwa Kommunikationskonzept, Informationskampagne, Imagefilm oder Personalgewinnung. Agenturleistungen können außerdem in einzelnen Losen größerer Vergaben stecken.
Wie viel Zeit bis zur Frist bleibt
Im offenen Verfahren oberhalb der Schwellenwerte beträgt die Angebotsfrist mindestens 35 Tage ab dem Tag nach der Absendung der Bekanntmachung. Weil Angebote dort grundsätzlich elektronisch eingereicht werden (§ 53 Abs. 1 VgV), kann der Auftraggeber sie fast immer auf 30 Tage verkürzen (§ 15 Abs. 2 und 4 VgV). Bei begründeter Dringlichkeit oder nach einer Vorinformation sind unter bestimmten Voraussetzungen auch 15 Tage zulässig (§ 15 Abs. 3, § 38 Abs. 3 VgV). Unterhalb der Schwellenwerte nennt die UVgO keine Mindestzahl an Tagen. Die Fristen müssen dort angemessen sein (§ 13 Abs. 1 UVgO).
Wie das in der Praxis aussieht, zeigen unsere Daten: Bei offenen EU-Verfahren lagen zwischen Veröffentlichung und Frist im Median rund 34 Tage, bei nationalen Verfahren nur gut 22 Tage. Für eine Agentur heißt das, die Entscheidung über eine Teilnahme fällt am besten in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung. Jeder Tag, der bis zur ersten Prüfung vergeht, fehlt später beim Konzept.
Unterlagen abrufen ohne Registrierung
Oberhalb der Schwellenwerte darf der Auftraggeber für den Zugang zur Bekanntmachung und zu den Vergabeunterlagen keine Registrierung verlangen (§ 9 Abs. 3 VgV). Dasselbe gilt unterhalb, soweit die UVgO angewendet wird (§ 7 Abs. 3 UVgO). In beiden Bereichen müssen die Unterlagen unentgeltlich, uneingeschränkt, vollständig und direkt abrufbar sein (§ 41 Abs. 1 VgV, § 29 Abs. 1 UVgO). Eine freiwillige Registrierung bleibt zulässig. Sie lohnt sich, wenn die Plattform registrierte Bieter über geänderte Unterlagen und Antworten auf Bieterfragen informiert.
Vom Fund zur Entscheidung
Eine gefundene Ausschreibung ist erst der Anfang. Lesen Sie zuerst die Eignungskriterien und die Zuschlagskriterien. Zwei Fragen entscheiden: Erfüllt Ihre Agentur die geforderten Nachweise, und passt die Wertung zu Ihren Stärken? In 85 Prozent der Verfahren, deren Eignungskriterien wir ausgewertet haben, verlangten die Auftraggeber Referenzen. Worauf es dabei ankommt, steht im Beitrag Eignung und Referenzen richtig nachweisen. Fast jede vierte Agenturausschreibung nannte außerdem im Titel oder in der Beschreibung einen Rahmenvertrag, mehr dazu in Rahmenverträge für Werbeagenturen verstehen.
ausschreibungen.io beobachtet 325 Quellen in Deutschland und zeigt Ihnen die Verfahren, die zu Ihrer Agentur passen, mit Frist, Auftraggeber und, soweit abrufbar, den Unterlagen. Einen Ausschnitt sehen Sie jederzeit auf unserer Seite mit den aktuellen Ausschreibungen für Werbeagenturen.